Kompensationsmaßnahmen

Baubeginn in Schleswig-Holstein und Niedersachsen

Zur Fahrrinnenanpassung gehören auch umfangreiche ökologische Projekte, die den Eingriff in das Ökosystem Elbe ausgleichen.

Um die örtliche Artenvielfalt zu fördern und auch die Lebensbedingungen von Wanderfischen und Zugvögeln zu verbessern, erhielten solche Maßnahmen den Vorzug, die den Anteil von Flachwasserregionen, naturnahen Uferabschnitten und Sandflächen wieder vergrößern.

Das passiert an der Stör in Schleswig-Holstein

Im Juli haben die Bauarbeiten für Ausgleichsmaßnahmen an der Stör in Schleswig-Holstein begonnen. Bauen, um etwas für die Natur zu tun? Das klingt erstmal widersprüchlich. Um aber wertvolle Biotope zu schaffen, die langfristig der ökologischen Vielfalt und der Artenerhaltung dienen, muss man die Grundlagen durch Baumaßnahmen herstellen: So weitet man zum Beispiel Entwässerungsgräben auf, um abwechslungsreiche Flachwasserzonen zu gewinnen. Durch Deichrückverlegungen kann man in bestimmten Bereichen höhere bzw. wechselnde Wasserstände erreichen, also Lebensräume, die wertvoll sind für viele Wasservögel und auch für den bedrohten Schierlings-Wasserfenchel, eine weltweit nur an der Tideelbe vorhandene Art. Zur Herstellung solcher Gebiete sind Bauarbeiten notwendig und auch die dazu gehörenden Verkehre. Dafür gibt es hohe Auflagen, um die Beeinträchtigung der Nachbarn und der Natur möglichst gering zu halten: So wird z.B., wenn möglich, das Material über den Wasserweg angeliefert. Bodenaushub bleibt grundsätzlich auf der Fläche und dient an anderer Stelle zur Aufhöhung. Zur Neuanpflanzung wird „gebietseigenes“ Saatgut verwendet, das aus der Region stammt.

Die Bauarbeiten auf den Flächen müssen bis Ende September abgeschlossen sein. Denn zum einen sind die Schutzzeiten für brütende Vögel und Rast- und Gastvögel zu beachten und zum anderen die im Herbst beginnende Hochwassersaison. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Maßnahmen:

Hodorf: Hier wird ein knapp 24 Hektar großes Gebiet der Tidedynamik erschlossen durch Öffnung des Sommerdeichs. So können naturnahe Priele und Wattflächen entstehen. Dies wird durch die Aufweitung und Vertiefung von vorhandenen Gräben und Grüppen unterstützt. Mehrere kleine Inseln, mit Weiden bepflanzt, ergänzen das Ensemble. An ihren Böschungen herrschen ideale Bedingungen für die Anpflanzung des Schierlings-Wasserfenchels. Zum Schutz der angrenzenden Flächen wird im Osten und Süden ein neuer Sommerdeich hergestellt.

Wewelsfleth: Auf knapp 50 Hektar entsteht hier feuchtes Grünland mit Tümpeln (norddeutsch: Blänken), Flachwasserzonen und verbreiterten Gräben. Zum anderen werden Staupolder geschaffen, in die im Winterhalbjahr Wasser aus der Stör gepumpt werden kann, um den Wasserstand im Fluss zu senken. Die Pumpen werden durch kleine Windräder betrieben. Die Maßnahme soll vor allem Vögeln zu Gute kommen, indem sie die Brutbedingungen für Wiesenvögel und die Rastangebote für Zugvögel verbessert.

Neuenkirchen: Die Öffnung der 10 Hektar großen Fläche für den Tideeinfluss ermöglicht auch hier naturnahe Priele und Wattflächen. Zusätzlich wird ein Tidehartholzauenwald angepflanzt. Darunter versteht man ein Gehölz, in dem vor allem Ulmen, Eschen und Eichen, ergänzt durch andere typisch norddeutsche Gewächse wie Pfaffenhütchen, Weißdorn, Schlehe u.a., die allesamt hin und wieder „nasse Füße“ vertragen.

An der Stör wird in den Monaten Juli bis September auch an drei weiteren Kompensationsmaßnahmen gearbeitet, die noch in den Zusammenhang der voran gegangenen Fahrrinnenanpassung (1999/2000) gehören (in der Grafik durch einen grünen Umriss gekennzeichnet). Sie werden erst jetzt realisiert, weil durch eine Verknüpfung mit der jetzigen Fahrrinnenanpassung die Flächen sinnvoll vergrößert werden konnten. Es handelt sich um eine Fläche bei der Gemeinde Stördorf und zwei Flächen auf beiden Seiten der Störmündung. Auch hier geht es vor allem darum, tidebeeinflusste Flachwasserzonen zu schaffen.

 Übersicht Kompensationsmaßnahmen

An der Stör wird der Schierlings-Wasserfenchel angebaut.

Bei Hodorf wird eine 24 ha große Fläche durch einen Zufluss von Norden dem Tideeinfluss geöffnet.

Aktivitäten auf der Insel Schwarztonnensand in Niedersachsen

Die Insel Schwarztonnensand eignet sich besonders gut für die ungestörte Naturentwicklung, weil sie schwer zugänglich ist. Die Insel war ursprünglich eine Schlickbank in der Elbe. Im Rahmen der Fahrrinnenanpassung von 1968/69 wurde sie mit Sand aufgehöht und bepflanzt, um Sandflug zu verhindern. So entstand eine ca. 160 m² große Insel, die seit 1985 Naturschutzgebiet ist und heute einen wichtigen Lebensraum und Rastplatz für viele Wasservogelarten darstellt.

Um das Gebiet ökologisch weiterzuentwickeln, sind hier auf gut 46 Hektar folgende Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungszustandes des Lebensraumtyps Ästuare (LRT 1130) vorgesehen:

  • Entwicklung von Tide-Weiden-Auwald im Komplex mit Röhrichten und feuchten Hochstaudenfluren im Inselnorden
  • Entwicklung von Lebensräumen im Inselsüden für Offenbodenbrüter
  • Entfernung standortfremder Gehölze und Sandfangzäunen aus vorhandenen Hecken

Gebaut werden darf hier nur außerhalb der Brutzeiten. Die Arbeiten haben deshalb Anfang Juli begonnen und müssen bis spätestens Ende Februar 2020 abgeschlossen sein. Die wesentlichen Erdarbeiten sollen bis Ende Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein.

Von den Bauarbeiten ist vom Elbedeich aus nicht viel sehen, weil das Innere der Insel nicht einsehbar ist. Die Baugeräte werden über den Wasserweg per Fähre zur Insel verbracht. Für den Transport der Mitarbeiter der beauftragten Baufirma wurde ein temporärer Anleger an der Westspitze der Insel errichtet. Dieser Anleger darf nicht von Sportbooten benutzt werden.

Neben der hier beschriebenen Entwicklung der Insel Schwarztonnensand werden 2020 auch aquatische (Wasser-)Maßnahmen in der  Schwarztonnensander Nebenelbe sowie im Barnkruger Loch durchgeführt.

15. Juli 2019

Kompensationsmaßnahmen auf der Insel Schwarztonnensand

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