UWA Medemrinne

Ein strombauliches Schlüsselprojekt

Doppelten Nutzen bringt die  Unterwasserablagerungsfläche (UWA) Medemrinne: Sie nimmt 12,4 Mio. m³ Sand aus der Fahrrinne auf und und wirkt zugleich der in der Tideelbe eintretenden Energie entgegen.

Die Unterwasserablagerungsfläche ist auch nach Fertigstellung ständig mit Wasser bedeckt: Bei Ebbe (mittleres Tideniedrigwasser) beträgt die Wassertiefe ca. 2-4 Meter, bei Flut (mittleres Tidehochwasser) ca. 4,5-6,5 Meter (siehe nebenstehende Skizze).

Die UWA Medemrinne ist Kernbestandteil des  Strombaukonzepts, mit dem die Tideenergie in der Unter- und Außenelbe zukünftig positiv beeinflusst werden soll.

Der Hopperbagger nimmt das Baggergut am Fahrrinnengrund auf…

… und übergibt es an der UWA an den Spülponton, von dem es auf beiden Seiten des Initialdamms bodennah eingebracht wird.

Aufsicht und Querschnitt durch die UWA Medemrinne

Hintergrund: Geschichte und Problemstellung der Medemrinne

Im Gebiet des Ästuars stromab von Brunsbüttel öffnet sich der Mündungstrichter der Elbe von rd. 2 km auf 15 Kilometer Breite. In diesem Bereich befindet sich seit Jahrhunderten ein dynamisches Rinnen-System, wobei sich die tiefe Rinne am südlichen Ufer orientiert. In dieser Rinne bilden sich Mittelbänke, die sich nach Norden aufweiten und zu Stromspaltungen führen. Seit den 1950er Jahren sind auf diese Weise der Medemgrund und damit die Medemrinne entstanden.

Bereits heute wirkt sich die Existenz der Medemrinne negativ auf die Verhältnisse im Ästuar aus. Insbesondere sorgt sie für eine Trennung von auslaufendem Ebbstrom (durch die Medemrinne) und beginnendem Flutstrom (durch die Hauptrinne). Diese Trennung vermindert die natürliche Dämpfung beider Ströme stark. Resultat ist ein starker, erosionsintensiver Ebbstrom sowie ein starker Flutstrom, der die Gefahr zusätzlichen Sedimenteintrags in das Ästuar in sich birgt.


Das strombauliche Konzept im Rahmen der Fahrrinnenanpassung

Das von der WSV erarbeitete Strombaukonzept hat zum Ziel, die seit mehr als einem Jahrhundert andauernden morphologischen Veränderungen im Mündungsgebiet der Elbe dahingehend zu unterstützen, dass durch natürliche Sedimentation wieder das stabile großflächige Wattgebiet entsteht, was bis in die 1950er Jahre hier existierte.

Eine Bodenschwelle in der Medemrinne schwächt den Ebbstrom, der seit 2008 den Durchbruch zum Klotzenloch bewirkte. Damit soll eine natürliche Sedimentation in der Medemrinne erreicht werden.
Diese Bodenschwelle und eine zweite am Neufelder Sand lenken die Strömung, insbesondere den Ebbstrom, am Südrand des Medemgrundes entlang. Die sich dort einstellende Erosion ist gewünscht, um so eine Verbreiterung der Hauptströmungsrinne zu erreichen. Dadurch nehmen hier die Strömungsgeschwindigkeiten ab, was besonders den Strömungsdruck auf das niedersächsische Ufer bei Flut dämpft.

Langfristiges Ziel ist es, dass die Wattgebietsflächen in der Außenelbe wieder zunehmen, damit sie der aus der Nordsee einschwingenden Tideenergie einen natürlichen Reibungs und Reflexions-Widerstand (Energiedissipation) entgegensetzen können.

Dezember 2019

 

Mündungstrichter der Elbe 1950

Dasselbe Gebiet 2016 (Quelle: BAW)

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